Im (trotz des warmen Frühlingswetters) gut gefüllten Pfarrstadel begrüßte die Weßlinger Bürgermeisterkandidatin Susanne Mörtl jede Menge Polit-Prominenz aus dem Landkreis zum (leicht verspäteten) Neujahrsempfang 2014. Nach den wunderbaren musikalischen Einlagen von Claus Angerbauer und seiner fantastischen Sängerin Christina Jesinghaus ging das Wort an die Landratskandidatin Julia Ney, deren Rede später von Anselm Bilgri als „rhetorisch gewandt, kurz und knackig“ hoch gelobt wurde. Julia Ney hob ihre wichtigsten Themen hervor – die kommunale Daseinsvorsorge, den bezahlbaren Wohnraum, die Kinderbetreuung, die Energiewende und der Einsatz für die Seniorinnen und Senioren im Landkreis.
Aus ihrer Sicht gehört die Grundversorgung mit Strom, Wärme, Wasser und die Abfallentsorgung in die Hand der Kommunen, nicht in die der EU. Um auch der Mittelschicht in unserem teuren Landkreis bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen, plädiert die Landratskandidatin für ein „Starnberger Modell“ und möchte z.B. künftig Landkreisgrundstücke für neue Genossenschaftsmodelle zur Verfügung stellen. Da die Zahl der Pflegebedürftigen in unserem Landkreis drastisch ansteigen wird, muss im Bereich der Pflege sofort etwas unternommen werden. In den Betreuungseinrichtungen für Kinder müssen flexiblere Öffnungszeiten geschaffen werden, um den Eltern den Spagat zwischen Beruf und Familie zu erleichtern. Die Energiewende muss wesentlich zügiger vorangetrieben werden, damit das Ziel, den Landkreis im Jahr 2035 vollständig mit erneuerbaren Energien zu versorgen, auch wirklich zu erreichen. Hier sind gerade die Bereiche Wärme und Verkehr vorrangig zu behandeln, da sie den größten Anteil am Energieverbrauch ausmachen.

Und damit steuerte Julia Ney auf den Höhepunkt des Empfangs zu: Ihr Gespräch mit dem ehemaligen Andechser Benediktiner-Pater Anselm Bilgri, der sein Talent als Redner nun in Work-Life-Balance-Vorträgen beweist. Hochinteressiert lauschten die Zuhörer den Aussagen Bilgris. Den anwesenden Kommunalpolitikern wurden viele sinnvolle Ratschläge mit auf den Weg gegeben. Gerade jetzt während der letzten vier Wochen vor der Kommunalwahl ist es wichtig, die militärische Terminologie zu entschärfen: Statt von politischen Gegnern sollten wir von Wettbewerbern sprechen, Wahl“kampf“ wird weniger zu einem Kampf, wenn wir es schaffen, in uns hineinzuhorchen und unsere Balance finden. Sich täglich ein halbe oder besser ganze Stunde für sich Zeit zu nehmen, um die Gedanken frei schweifen zu lassen, ist wahres Zeitmanagement; Und nicht noch mehr Tätigkeiten in noch kürzerer Zeit erledigen zu wollen. Hier sollte die Politik die Rahmenbedingungen schaffen, um „das Atemholen“ zu ermöglichen. Die ständige Verfügbarkeit überanstrengt die Menschen und lässt sie an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stoßen.
Dazu ist es wichtig, nicht mehr alle Bereiche unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu sehen, die Ökonomisierung dominiert mittlerweile sogar schon das Gesundheitswesen und vor allem die Bildung. Nach dem Zitat von Friedrich Schiller „Der Mensch ist nur dann ein freier Mensch, wenn er spielt“ sollten Eltern ihre Kinder nicht schon im Kindergarten mit Seminaren und Bildungsangeboten überfrachten, sondern ihnen die Zeit lassen zu spielen.
Wenn der Druck durch zu viel Arbeit zu groß wird und wir uns gelegentlich wie im Hamsterrad vorkommen, sollten wir uns fragen, wer denn ein Hamsterrad antreibt: Das sind wir selbst! Auch beim Burnout sollten wir nachforschen, warum wir ausgebrannt sind, zuvor müssen wir demnach für etwas gebrannt haben. Doch diese brennende Begeisterung wird häufig ausgenutzt durch eine Amerikanisierung der Arbeitswelt. In Stress-Situationen sollte man sich eine fünfminütige Auszeit nehmen und Ordnung in sein Denken bringen, danach geht man wieder ruhiger an die Arbeit. Nicht alles, was man für dringend und wichtig hält, ist dringend und wichtig, wesentlich häufiger ist es dringend, aber nicht wichtig, oder wichtig, aber nicht dringend.
„Bewahren Sie sich für Ihr zukünftiges Leben heitere Gelassenheit“, so Anselm Bilgri. Gelassenheit nicht nur im Sinne von „etwas nicht so wichtig nehmen“, sondern auch von „loslassen können, nicht verkrampfen“ und „andere Menschen so sein lassen können, wie sie sind“ und nicht versuchen, sie in unsere Vorstellung hineinzupressen.

Faszinierende Worte, die man unbedingt auf sich wirken lassen sollte – ein wunderbares 2014 wünschen der SPD-Kreisverband Starnberg und der Ortsverein Weßling!

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